WSV Heim

Spielabende jeden Dienstag
ab 19.30 Uhr
im Vereinsheim
am Biebricher Schlosspark.

Jugendtraining 18.00 - 19.30 Uhr

Ergebnisdienst Verbandsliga Süd

Direkter Wiederabstieg verhindert
durch Aufstieg in die Hessenliga

Wie alles begann: Irgendwann in 2021 (die 2. Mannschaft war nach einer starken, aber corona-bedingt langen Saison, die sich über 2 Jahre streckte, verdient von der Landesklasse West in die Verbandsliga Süd aufgestiegen) begann das große Jammern im Jeanne Schütz Haus. Man vernahm es regelmäßig am Dienstag Abend und es klang jede Woche hoffnungsloser. Es ging ungefähr so: wie sollen wir denn in der Verbandsliga bestehen, dort ist es eh schon schwer genug für einen Aufsteiger, jetzt springen auch noch 3 Mann ab, (einer altersbedingt, einer wegen Vereinswechsel und einer aus beruflichen Gründen), wir steigen mit Pauken und Trompeten wieder ab, sollen wir überhaupt den Aufstieg wahrnehmen, ojeojeoje. Natürlich sind diese Bedenken zurecht artikuliert worden und auf Verständnis gestoßen, aber was tun, sprach Zeus?

Damit wieder Ruhe im Vereinsheim einkehrt, haben sich 2 Spieler der 1. Mannschaft (okay, einer war nur Reservist) dazu bereit erklärt, für eine Saison in der 2. Mannschaft auszuhelfen. Zudem konnte auf den letzten Drücker ein weiterer Spieler, dessen alter Verein wegen Corona schwächelte, dazugewonnen werden. Somit war die Mannschaft also wieder komplett. Die adjustierte Zielsetzung des Dienstältesten: der Kampf um den Klassenerhalt ist kein aussichtsloses Unterfangen.

Die Verbandsliga stellte sich (nominell) folgendermaßen dar. Bensheim (DWZ Schnitt 2075) ging als leichter Favorit ins Rennen, Dotzheim (Schnitt 1965) als leichter Underdog, alle anderen Mannschaften waren eng zusammen (Schnitt zwischen 2000 und 2050). Aber dann gelang der Start in die Runde perfekt: Im 1. Spiel gegen König Nied wurde gleich ein fettes Ausrufezeichen gesetzt, ein 6,5-1,5 Sieg. Dieser hohe Sieg kam ein bisschen glücklich zu stande, weil der Gegner seine 2 besten Spieler nicht eingesetzt hatte (die aber im Laufe der Saison durchaus gelegentlich spielten). Im 2. Spiel gegen Bensheim gelang dann ein 4-4 Unentschieden. Ein Achtungserfolg, ganz im Zeichen des Punktesammelns gegen den Abstieg, so unser Senior. Zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass Flörsheim (4-0 Punkte) ein heißer Titelkandidat sein würde.

Es folgte (ähnlich wie in der Saison zuvor, aber zum Glück nicht so lang) eine lange „Corona Pause“. Nach ca. 4 1/2 Monaten ging es endlich weiter mit der 3. Runde . Wie empfingen Matt im Park Frankfurt, die in dieser Saison gegen den Abstieg würden kämpfen müssen, was letzten Endes mit dem 8. Platz auch gelang. Die Frankfurter traten nur zu Siebt an, und ein recht einseitiger Mannschaftskampf endete mit einem verdienten 6-2 Erfolg. Jetzt, nach 5-1 Punkten aus 3 Spielen, wollte auch unser Mannschaftssenior nicht mehr länger von einem Kampf gegen den Abstieg reden.

Ab der 4. Runde begann sich Corona tief in die Tabelle zu fressen, wir gewannen kampflos 8-0 gegen Dotzheim. Später zogen die Dotzheimer ihre Mannschaft ganz zurück, alle Spiele wurden genullt. Und auch Flörsheim, bisher mit makellosen 6-0 Punkten auf dem 1. Platz, gewann sein Spiel – auch kampflos - gegen Roßdorf. Insgesamt spielte nur die Hälfte der Mannschaften alle Kämpfe durch (Flörsheim, Gründau, Matt im Park Frankfurt, Gernsheim 2 und eben wir). Neben Dotzheim bekamen auch Ladja Roßdorf und König Nied je 2x, sowie die SG Bensheim und Schachforum Darmstadt je 1x, nicht immer eine Mannschaft zusammen. Die beiden lange Zeit führenden und am Ende auf Platz 1 und 2 einlaufenden Mannschaften profitierten davon (zum Glück) gleichermaßen. In dieser Runde verlor der nominelle Favorit Bensheim gegen das starke Team von Schachforum Darnstadt und hatte sich damit ein bisschen aus dem Aufstiegsrennen verabschiedet.

Machen wir weiter: in der 5. Runde kam es zum Spitzenkampf Erster (Flörsheim mit 8-0) gegen den Zweiten (Wiesbaden mit 7-1), bei uns im Goldenen Springer. Klar, dass wir punkten mussten, wollten wir das Auftstiegsrennen offen halten. Und dies gelang mit einem 5-3 Sieg, wobei auch andere Ergebnisse möglich waren, In zwei Partien wurde der Spielverlauf mit dem Ergebnis auf den Kopf gestellt - 1x für und 1x gegen uns. Also, ein 4-4 wäre möglich gewesen aber auch ein höherer Sieg. Ich denke, insgesamt geht der Sieg in Ordnung, der, wie sich letztlich herausstellen sollte, von hoher Bedeutung für den Kampf um die Meisterschaft war. Bis zum letzten Spieltag sollten weder die Flörsheimer noch wir weitere Punkte abgeben. Was mir von diesem Spieltag sehr positiv in Erinnerung geblieben ist: die symphatischen Flörsheimer zollten unserer Gastfreundschaft - belegte Brötchen, Kaffee und Wasser für alle - Respekt, gratulierten uns ehrlich zum Sieg und ordneten dieses 5-3 in die Rubrik „geschlossene Teamleistung unsererseits“ ein. Danke zurück nach Flörsheim für einen fairen Wettkampf und eine spannende Saison.

Wir waren jetzt Tabellenführer (9-1) und Flörsheim sowie Darmstadt unsere engsten Verfolger (je 8-2). Unser nächster Mannschaftskampf sollte uns nach Gründau führen, vor denen wir ob ihrer 3 Topleute gewaltigen Respekt hatten. Aber dann lachte uns Caissa zu: Oleksandr stiess auf unseren Verein. Oleksandr war mit seiner Mutter aus der Ukraine nach Deutschland geflohen und ist von Freunden in Wiesbaden aufgenommen worden. Ein Glücksfall für uns, denn wir wußten, dass es nicht mehr lang dauern würde, bis sich der erste von uns Stammspielern in unserer 1. Mannschaft würde festspielen müssen – und Oleksandr kam da wie gerufen, diese Leerstelle in unserer ohnehin dünnen Spielerdecke wieder aufzufüllen. Und obwohl wir auf den ein oder anderen treuen und zuverlässigen Ersatzspieler zurückgreifen können, gibt es der Mannschaft doch ein Gefühl der Sicherheit, wenn am 8. Brett ein symphatischer netter Junge sitzt, der das Schachspielen als Kind in der Ukraine (richtig) gelernt hat und mit 14 bereits seinen FM in der Tasche hatte.

Soweit die Theorie, das mit der Sicherheit müssen wir wohl noch üben. Oder wie kann man erklären, dass aus den 3 letzten laufenden Partien gegen Gründau (1x glatt gewonnen, 2x bessere Stellungen mit Mehrbauer) dann insgesamt 0 Punkte heraussprangen? Zum Glück hatten wir da schon die 4,5 Brettpunkte zusammen; und wie wichtig war hier bereits Oleksandr für uns, dessen Einstand gegen ein junges Gründauer Talent, das sich lange und hartnäckig wehrte und Oleksandr alles abverlangte, letztendlich gelang. Am Ende stand ein knapper 4,5-3,5 Sieg gegen ein bemerkenswert symphatisches Gründauer Team. In der Tabelle behielten wir unseren Vorsprung auf Flörsheim, die sich im Spitzenduell gegen Schachforum Darmstadt knapp durchsetzten. Ab jetzt war der Kampf um die Meisterschaft ein Zweikampf zwischen Flörsheim und uns.

In der 7. Runde mußten wir nach Gernsheim 2 und profitierten davon, dass diese mit einem nominell geschwächten Team antreten mussten, so gewannen wir letztlich relativ sicher mit 6-2. Gleichzeitig gewann Flörsheim kampflos gegen König Nied, in der Tabelle waren wir also weiter Kopf an Kopf. Gegen die Nieder in Bestformation (immerhin Absteiger aus der Hessenliga) kann jeder in dieser Klasse gut und gerne verlieren, so haderten wir ein bisschen mit diesem kamplosen 8-0, nur um eine Runde später selbst von einem kampflosen Sieg gegen den Tabellendritten und Verfolger Schachforum Darnstadt zu profitieren, die gegen uns keine schlagkräftige Mannschaft zusammenbekamen.

In der Vorbereitung auf diesen Kampf offenbarte sich zum wiederholten Mal der Teamspirit innerhalb der Mannschaft, von dem sich mittlerweile auch Oleksandr anstecken ließ. Als klar war, dass wir in diesem wichtigen Kampf gegen den Verfolger auf einen wichtigen Spieler verzichten mussten, hat er seine schon gebuchte Reise nach Kiew einfach kurzerhand verschoben. Respekt. Wir nehmen den kamflosen Sieg natürlich mit, waren aber auch für einen harten Fight bestens gerüstet. Letztlich aber in dieser 8. Runde also ein kampfloses 8-0.

Aber Flörsheim liess auch nicht locker und blieb uns auf den Fersen, inden sie sich im Spitzenspiel gegen Bensheim mit 5-3 durchsetzten. Vor der letzten Runde hatten wir also 15-1 Punkte vor Flörsheim mit 14-2 Punkten sowie 1 Brettpunkt Vorsprung. Vor allem aber den vermeintlich leichteren Gegner in der letzten Runde, den Tabellen-Vorletzten Ladja Roßdorf, eine Mannschaft, die auch die ganze Saison hindurch mit Aufstellungsschwierigkeiten zu kämpfen hatte. Flörsheim auf der anderen Seite mußte gegen Gründau spielen, die wiederum fast die gesamte Saison mit derselben Mannschaft durchspielten, eine kämferische Truppe, wie wir ja bereits feststellen mussten.

Unser hartnäckiger Verfolger Flörsheim sorgte also dafür, dass wir auch diesen letzten Kampf gewinnen mussten. Obwohl wir auf dem Papier Favorit waren, nahmen wir auch dieses Spiel nicht auf die leichte Schulter. Wir bereiteten uns gut vor, und waren voll entschlossen, diese letzte Hürde zu nehmen. Einige Spieler hatten gerade an diesem Sonntag wichtige Termine abgesagt, um die Mannschaft nicht zu schwächen und eben diesen letzten Schritt gemeinsam zu gehen, Unser Flötist hat gar ein Konzert absagen müssen. Chapeau! Am späten Samstag Abend dann die Absage durch den gegnerischen Mannschaftsführer. Okay, wir nehmen auch das zweite kampflose 8-0 natürlich gerne mit, man hat ja schon Pferde usw. Aber eigentlich schade, dass diese Saison so enden musste mit 2 kampflos gewonnenen Spielen in Folge.

Die Flörsheimer haben im Übrigen ihr letztes Spiel gegen Gründau knapp verloren und sind Vizemeister geworden. Sie werden sicherlich nächstes Jahr einen neuen Anlauf Richtung Hessenliga nehmen. So wurden wir also Meister mit 17-1 Punkten vor Flörsheim mit 14-4 Punkten. Als Belohnung winkt die Hessenliga.

Ich denke, dass sich unser Team durch eine starke mannschaftliche Geschlossenheit ausgezeichnet hat. Wir waren als Einzelspieler in Summe nicht besser als andere, aber der Wille aller Spieler, wegen der dünnen Spielerdecke möglichst alle Kämpfe zu bestreiten und an diesen Sonntagen andere Dinge zurückzustellen, trug uns durch die gesamte Saison. Dass dabei der Aufstieg heraussprang, dazu gehört sicher auch ein aufopferungsvoller und mitfiebernder Vorstand, der zu den Auswärtsspielen mitreist (von den Heimspielen ganz zu schweigen) und auch das nötige Quäntchen Glück, dass uns Corona z.B. weitgehend verschont hat.

Und alle freuen sich auf die nächste Saison, auch die Spieler, die eigentlich nur eine Saison aushelfen wollten.